weniger streng

Der große Shutdown ist nun eine Woche her. Ich habe mich zwischenzeitlich wieder beruhigt. Aber dieser Tag hat Spuren hinterlassen. Ich merke, wie ich mich jeden Tag mehr davor drücke, zur Arbeit zu gehen. Wenn überhaupt, gehe ich erst spät nachmittags, wenn der Großteil schon Feierabend gemacht hat. Wenn die Sonne bereits untergegangen und das Büro nicht mehr hell erleuchtet ist. Ich verstecke mich dann hinter meinem Bildschirm, schraube den Stuhl extra weit runter, auch wenn es total unbequem ist.

Diese Woche sieche ich förmlich vor mich hin. Ich starre gedankenversunken Luftlöcher in die Gegend. Ich bin genervt, müde, unglaublich traurig. Es ist erschreckend, wie selten ich die Tage gelacht habe. Es gibt nicht viel zu lachen zur Zeit. Ich bin tatsächlich depressiv. Ich unterliege Stimmungsschwankungen, die weit außerhalb dessen liegen, was ich bis hierhin unter Stimmungsschwankungen verstanden hab. Es gibt nur noch schwarz und weiß. Und das ist furchtbar anstrengend. Nicht nur für mich.

Zwischendurch hatte ich die Worte meiner Therapeutin im Kopf. Sie sagt immer "Seien Sie nicht so streng zu sich.". Das sind die Momente, in denen ich mir erlaube, mit meinem Hund im Park laufen zu gehen, anstatt die Wohnung aufzuräumen. Mit einer Freundin auf ein Konzert zu gehen, anstatt früh ins Bett zu gehen. Bei Facebook sinnlose posts zu kommentieren, anstatt mich auf meinen Lernstoff zu konzentrieren.

Aber hinterher geht es mir nur schlechter. Ich fühle mich als Versager. Weiß jetzt schon, dass ich meine nächste Klausur nicht packen werde. Es fühlt sich an wie immer. Mit 1,3 werde ich wieder gerade so durchgekommen sein und mir für die nächste Klausurphase vornehmen, lockerer an die Sache ranzugehen und nicht immer alles so eng zu sehen. Und wenn es soweit ist, kann ich mich an keines dieser Worte erinnern.

 

 

8.3.12 22:59

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen